GUTSHAUS NEUKLADOW

OPENING am 09. Juni 2017

Der Gutspark Neukladow 

Der Gutspark Neukladow befindet sich im Berliner Bezirk Spandau auf einem Plateau oberhalb der Havel und steht unter Denkmalsschutz. Er liegt in unmittelbarer Nähe zu den preußischen Schlössern und Gärten, die Lenné im Auftrage König Friedrich Wilhelms IV. zu einem "preußischen Arkadien" formen sollte. Die daraus entstandene Landschaftskomposition wurde 1990 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.

Die Bürgerstiftung hat es sich zum Ziel gesetzt, Gutshaus und Park Neukladow als früheren Treff­punkt von Kunst und Berliner Gesellschaft zu erhalten und mit neuem Leben zu erfüllen.

Die Erinnerungen Dr. Johannes Guthmanns an seine Kindertage waren eng verknüpft mit den sonntäglichen Ausflügen in das "kleine Schlösschen". Zunächst ging es vom Elternhaus am Sandwerder in Wannsee mit der Kutsche über Sacrow nach Kladow, später setzte man mit einem aus Paris herbeigeschafften "Seine-Dampferchen" über die Havel. Viele ungezwungene Nachmittage verbrachte er in der verwunschenen Menken'schen Gartenanlage.

Schultze-Naumburg verwandelte den zu einem Wald verwilderten Park in eine repräsentative Parklandschaft, legte die historischen Strfukturen frei, wandelte den gesamten baumbestandenen Elsengrund zoeinem Wiesental um und gestaltete ein Naturtheater auf einem Geländegorn an der Zugangsallee. Vor allem öffnete er Sichten im Waldbereich und schuf wieder die wichtigen Blickbeziehungen zur Havel. Vor dem Verwalterhaus gestaltete er das formale Parterre, das er durch ein Nischenwand mit der "Loggetta" und der Pergola verband. Das Ergebnis würdigte Guthmann anlässlich eines kleinen Abendessens im Freundeskreis, darunter auch Schultze-Naumburg, ... "unter dessen geschickter Leitung sich Haus und Park so phönixartig verjüngt hatten". Guthmann wünschte sich schließlich "reicheren Blütenflor als er dazumal für üblich galt".

Der junge, damals noch unbekannte Staudenzüchter Karl Förster wurde hinzugezogen. Dessen Angebot verwarf Guthmann jedoch mit den Worten: "Alles wunderschön - aber die Endsumme! Doch wohl ein Verkennen der Lage". Guthmann entdeckte seine eigene gärtnerische Leidenschaft. Er teilte das nach Süden gerichtete Parterre in regelmäßige Blumenbeete und integrierte mittig ein gemauertes Wasserbecken. In den Blumengärten gruppierte er in neubiedermeierscher Manier farbenprächtige Stauden gegen einjährige Sommerblumen.

Erst später verband ihn mit Förster eine freundschaftliche Beziehung. Beim Entstehen des viele hundert Quadratmeter weiten Wildrosenhags vom Hauptportal hinab zum Elsengrund gab Förster "tagelang unverdrossen jeder Pflanze ihren Platz in dieser verhofften Farbenwirrnis, einem nordischen Geschwister der freilich üppigeren Blütenkaskaden der Villa Carlotta am Comer See".


Der Gutspark Neukladow vermittelt in seiner Umsetzung von landschaftlichem Reiz, topografischer Besonderheit und deren architektonischer Überhöhung noch immer eine romantisch anmutende Stimmung, auch geprägt durch die von Guthmann ausgewählten Plätze ganz persönlicher Sinngebung, wie Gauls Gedenkstein für seine Schwester Else, das Naturtheater – die aus den ehemaligen Hecken inzwischen ausgewachsenen Linden zeugen noch heute davon –, das Blumenparterre mit dem Wasserbecken und der Nischenmauer von Schultze-Naumburg.

Aufgrund seiner geschichtlichen, künstlerischen und wissenschaftlichen Bedeutung wurden die Gebäude gemäß Bauordnung Berlin im Jahre 1971 zum Denkmal erklärt, die Unterschutzstellung des Gutspark erfolgte 1988. 

Die Geschichte des Gutsparks Neukladow 

Wie alles Begann

Das Gebiet entlang der Havel gehörte ab dem 14. Jahrhundert zum Benediktinerinnenkloster St. Marien zu Spandau. Nach dessen Auflösung zur Zeit der Reformation gelangte es in den Besitz der Brandenburger Kurfürsten und damit später der preußischen Könige. Als Anerkennung für seine Verdienste überließ König Friedrich Wilhelm Ill. (1770-1840) 1799 das Lehnschulzengut "Neu-Cladow" seinem Kabinettsrat Anastasius Ludwig Menken.

Anastasius Ludwig Menken, der erste "bürgerliche" Besitzer des Gutes, entstammte einer alten Gelehrtenfamilie. Als in den Rechtswissenschaften profilierter, engster Ratgeber des preußischen Königs entwickelte er eine Verwaltungsreform der preußischen Provinzen Südpreußen und Nordostpreußen. Diese beinhaltete Elemente des französischen Verwal­tungs­wesens und galt als Orientierung für die späteren Reformen des Freiherrn vom Stein und des Fürsten von Hardenberg. In der Absicht, den Vertrauten seiner Regierung "benachbart" zu wissen, bestärkte Friedrich Wilhelm III. der seine Land- bzw. Sommersitze Paretz und Kaninchenwerder, die spätere Pfaueninsel, liebte, die Bauabsichten Menkens in jeder Weise.

Auf dem vorerst in Erbpacht überlassenen Grund ließ Menken ein Gutshaus errichten und einen Park anlegen. Dieser frühklassizistische Bau kann aufgrund der typischen Archi­tek­tursprache seinem Freund und Ratgeber David Gilly zugeordnet werden. Der klare Kubus des "Gutshauses Cladow" nimmt erstmalig mehrere Grundformen märkischer Herrenhäuser aus dem 17. bis 18. Jahrhundert auf. In seiner Ausrichtung der Räumlichkeiten zeigt es bauliche Parallelen zu Schloss Paretz, welches Gilly zeitgleich für den König baute. Heute sind diese Landsitze auch Architekturzeugen eines Denkens, das von der Aufklärung und einem zunehmend emanzipierten Bürgertum geprägt wurde.

 David Gilly (1748-1808), Spross einer Hugenottenfamilie, wurde 1788 von König Friedrich Wilhelm ll. zum Königlichen Geheimen Oberbaurat in Berlin ernannt. 1793 war er Mitbegründer der Berliner Bauakademie. Er war Lehr­meister sowohl seines Sohnes Friedrich Gilly, Professor an der Bau­aka­demie, als auch dessen Schülers Friedrich Schinkel. König Friedrich Wilhelm III. ernannte ihn zu seinem Baumeister. Menken konnte nur kurze Zeit das neue Landgut bewohnen. Er starb bereits 1801. Die Familie erwarb das Gut und behielt es bis 1815. Die Tochter Menkens, Louise Wilhelmine, verbrachte hier ihre Jugendjahre. Sie heiratete 1806 in der Potsdamer Garnisonkirche den Gutsherrn Ferdinand von Bismarck. Ihr Sohn Otto von Bismarck sollte die Geschicke Preußens nachhaltig mitgestalten.

Das frühe 20. Jahrhundert 

Bis zum Jahr 1887 wechselte das Gut mehrmals den Besitzer. In diesem Jahr erwarb der Berliner Zementfabrikant und Mitbesitzer der Rüdersdorfer Kalksteinwerke Robert Guthmann das Anwesen und später auch das Gut Gatow.

Im Jahr 1909 wählte sein Sohn, der Kunsthistoriker Dr. Johannes Guthmann, Gutshaus und Park zu seinem Lebensmittelpunkt. Eingenommen von der Schönheit dieses Ortes betrieb er, gemeinsam mit seinem Vater, einen umfangreichen aufwertenden Umbau des Anwesens und gewann mit dem Maler und Architekten Paul Schultze-Naumburg für Gebäude und Park sowie dem Architekten Alfred Grenander für die Innengestaltung maßgebliche Protagonisten des aufstrebenden Berlins.

Schultze-Naumburg setzte vor die östliche frühklassizistische Längsseite des Gutshauses einen Giebel mit Pultdach und dreieckigem Giebelfeld, stellte diesem auf halbkreisförmigen Grundriss die Veranda vor, von der aus zwei geschwungene Freitreppen in den Park führen. Drei schlichte Säulen tragen die Plattform der darüber liegenden Terrasse.

Unter Schultze-Naumburg entstanden die beiden Torhäuser, die Einfriedung sowie im Park die Nischenmauer mit der später von Slevogt ausgemalten Loggetta. Er legte auch die Strukturen des alten Gutsparks wieder frei und schuf, darauf aufbauend, einen weitläufigen Park mit altem Baumbestand und offenen Wiesen. Ein Blumengarten mit Wasserbecken, der von einer offenen Pergola ergänzt wurde, gab dem Anwesen seinen ganz besonderen Reiz.

Neukladow erlebte unter Johannes Guthmann seine Blütezeit. Es entwickelte sich zu einem Ort künstlerischen Schaffens und wurde zum Treffpunkt bedeutender Persönlichkeiten, wie Max Reinhardt,Walther Rathenau, dem Maler Max Slevogt und dem Bildhauer August Gaul, der eigens für den Gutspark die Tierplastik des Eselreiters und den Eisenstein schuf.

Johannes Guthmann verließ 1921 Neukladow auf Wunsch seines Vaters, der das Gut seiner Tochter Mary vererbt hatte. Mary verkaufte die Güter Neukladow und Gatow bereits 1928 an die Stadt Berlin.

Die folgenden Jahre brachten dem Gut eine wechselvolle Geschichte mit unterschiedlichen Nutzungen. Seit 1995 stand das Gutshaus viele Jahre leer. Eine geplante Bebauung im Park und damit der Verlust dieses Kleinods konnte in den 1990er Jahren durch die Kladower Bürger verhindert werden.